Schlagwort: Privatsphäre

Behörden stellen eure Meldedaten für alle frei ins Netz!

Ein Kollege zeigte mir gerade das aktuelle c’t Editorial. Dort steht ungeheuerliches:

Das Frühstück am Sonnabend versüßte mir eine öffentliche Bekanntmachung in der Lokalpostille. Es ging ums Widerspruchsrecht nach dem Niedersächsischen Meldegesetz. Davon mache ich seit jeher Gebrauch und kann es nur jedem empfehlen, der Schutz vor Kirchen, Gebühreneinzugszentralen und Werbemafia sucht. Das Amt darf die Meldedaten dann nur noch in Ausnahmefällen herausgeben.

Der Vertreter des Bürgermeisters ließ schreiben: „Einwohner/innen, die bereits in den Vorjahren eine derartige Erklärung abgegeben haben, brauchen diese nur schriftlich an das Bürgerbüro zu richten, wenn sie zusätzlich dem automatischen Abruf über das Internet wiedersprechen wollen. Ansonsten braucht keine neue Erklärung abgegeben werden.

Hervorhebung von mir

Um das mal kurz und knapp zu formulieren: Während Politiker darüber schimpfen wie Facebook persönliche Daten veröffentlicht, veröffentlichen die Meldebhörden einfach die Daten aller(!) Personen online, auch wenn sie der Veröffentlichung bereits wiedersprochen haben, denn eine Onlineveröffentlichung gabs ja damals noch nicht – deshalb wollen da bestimmt alle mitmachen!

Logisch! Und wenn jemand sagt: „ich will nicht erschossen werden“ dann meint er damit, dass er erwürgt werden will. Auch klar….

Spinnen die!!!?

Was bedeudet das?

Firmen, Institute und wer immer will, kann beim kommunalen Kernmelderegister (kostenpflichtig) Daten abrufen. Einziger Schutz der Bürger ist die Selbstverpflichtung der Abrufer, mit den Daten nichts böses/illegales zu machen. So nach dem Motto: „Ich gebe ihnen mein Ehrenwort – Ich wiederhole – Mein Ehrenwort “

Ja ne is klar….

Was kann man dagegen machen?

Dazu ein Verweis auf die Seite der Rechtsanwaltskanzlei Drach&Drach Dort gibt es auch ein Formular um bei der Behörde zu wieder sprechen.

Es ist erschreckend das sowas gemacht wird. Aber wir hätten das alle ja längst wissen müssen. Schließlich wurde es ja im sächsischen Amtsblatt Nr. 43/2007 vom 25. Oktober 2007 auf Seite 30 bekannt gemacht.

Wieso ich das nur übersehen habe…

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Wieso nicht personalisierte Werbung?

In den letzten Tagen konnte man bei heise.de lesen, dass zwei wohlbekannte Webportale (Wikipedia, Amazon) sich entschieden haben, einem „Werbedienstleister“ (Phorm) ihre Kundendaten nicht zur Verfügung zu stellen. Dieser Werbedienstleister wollte damit gezielter Werbung schalten.

An dieser Stelle muss man sich fragen, was denn an personalisierter Werbung schlecht ist.

Zu aller erst einmal ist der aktuelle Zustand in Sachen Werbung für den Konsumenten wie für den Werber nicht zufriedenstellend. Der Konsument wird bombardiert mit Informationen und Angeboten die ihn überwiegend nicht interessieren. Und der Werber muss, um überhaupt einen zählbaren Erfolg zu erreichen, sehr viele potentielle Konsumenten ansprechen, in der Hoffnung, dass ein paar darunter sind, die sein Produkt brauchen und kaufen.

Personalisierte Werbung soll das Problem dahingehend beheben, dass die Werber wissen für was sich ein Konsument interessiert um somit gezielt die entsprechenden Personen anzusprechen.

Nun gibt es dabei aber ein Problem: Werbung ist öffentlich. Der Erhalt der Werbung erfolgt nicht unter der Kontrolle des Konsumenten, sondern eben dann wenn die Werbung eintrifft. Weiterhin existieren Personen im Prozess, die wissen, dass sich Konsument XY für Angebote aus dem Bereich ABC interessiert und eventuell sogar wie viel Geld er üblicherweise dafür ausgibt.

Rein schon aus Datenschutzgründen sollte es jedem mündigen Bürger kalt dem Rücken hinunter laufen, wenn er den zweiten Punkt oben durchdenkt. Aber auch der erste Punkt ist nicht ohne. Und zwar aus dem Grund, dass man nicht mehr nur 1 Leben führt. Ich möchte das begründen:

Für 150 Jahren lebten die einfachen Menschen auf dem Lande noch in einem Leben. Das heißt, alles was sie taten, ob auf dem Feld oder zu Hause, war mehr oder weniger allen anderen Personen aus ihrem unmittelbaren Umfeld (der Familie) bekannt.

Mit der Industrialisierung änderte sich dies zum ersten mal. Es gab fortan 2 Leben: Das Private und das Arbeitsleben. Die Personen aus dem ersteren (Familie) wussten nicht wirklich was im zweiten Leben passierte und mit wem man interagierte und wieso, und die Arbeitskollegen wussten meist auch nicht allzuviel über die Familie.

Diese Entwicklung wurde durch das Internet noch verstärkt. Es kam aber hierbei nicht nur 1 weiterer Lebensbereich hinzu, sondern beliebig viele. Jede Community in der man sich aufhält stellt einen weiteren, abgetrennten Lebensbereich dar.

Es gibt Bereiche die wir dabei strickt von anderen getrennt haben wollen. Wir wollen eben nicht, dass jemand Verbindung über diese Bereiche hinweg herstellt. Beispiele gibt es hier viele: Die ausgelassene Urlaubsgemeinschaft und die Arbeitswelt; Eine Selbsthilfegruppe und die Freunde vom Sportverein; Vielleicht die Familie und geheime sexuelle Vorlieben; etc. …

Die personalisierte Werbung unterscheidet hier nicht. Sie will verkaufen. Sie sieht nur eine Person und spricht diese wann immer möglich an.

Es reicht nicht, einfach sicher zu stellen, dass die Werbung uns nur dann erreicht, wenn es für uns gelegen ist. Denn was bleibt ist ein System, welches Wissen über uns besitzt. Wissen, welches für uns unangenehm ist, ja dass wir vielleicht sogar fürchten.

Wenn man etwas fürchtet, dann wird man sein Verhalten so ändern, dass eben diese Bedrohung minimiert wird. Ein solches, umfassendes Werbesystem würde also unser Verhalten ändern. Dies nennt man einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen. Wir sollten nicht nur darauf hoffen, dass es nicht dazu kommt. Wir, bzw. die unter uns, welche dies beeinflussen können, sollten sicherstellen, dass es dazu nicht kommt.