Schlagwort: Gesellschaft

Zur Zukunft des Ehrenamts

Ich behaupte, es gibt aktuell mehr ehrenamtlich tätige Menschen als in den 3-4 Dekaden vorher. Mehr noch: Ich behaupt das mehr junge Menschen (Personen unter 40Jahren) ehrenamtlich tätig sind.

Wie ich darauf komme, wo doch Ehrenamt in unserer Marktwirtschaft überhaupt nicht sexy ist?
Nun was zeichnet den das Ehrenamt aus?

Es ist eine Tätigkeit die

  • man ohne die Erwartung an eine Vergütung durchführt
  • der Gemeinschaft einen Nutzen bringt welcher
  • auf „dem Markt“ zu teuer wäre um ihn einzukaufen.

Typische Formen des Ehrenamt sind z.B. Freiwillige Feuerwehren, Trainer in Sportvereinen oder Einwohner die öffentliche Grünanlagen/Blumenbeete pflegen.

Ich behaupte nun nicht, dass es von diesen mehr gibt als in den Jahrzehnten zuvor. Ich vermute der Trend ist da eher rückläufig. Aber habt ihr euch mal überlegt was Free/OpenSource Programmierer und Wikipedianer eigentlich machen? Sie arbeiten ehrenamtlich! Sie schaffen dabei Werte für die Gemeinschaft die diese sonst hätte niemals bezahlen können oder wollen und verbessern damit unser Leben.

Leider wird diese Tätigkeit nur als persönliches Hobby und nicht als gesellschaftlich wichtiges Handeln gesehen.

Man sollte derartige Arbeiten gleichwertig anerkennen mit anderen gesellschaftlich nützlichen Tätigkeiten. Ein freiwilliges soziales Jahr sollte man auch damit verbringen dürfen der Gesellschaft eine nützliche Software zu schenken oder der Wikipedia Dokumente zugänglich zu machen.

Ein lesenswerter Kommentar zum gesellschaftlichen Zustand Deutschlands

Wenn ein so gewaltiger Lebensbereich wie die Wirtschaft, die noch dazu viele weitere Lebensbereiche tyrannisch bestimmt, der gesellschaftlichen Gestaltungskraft entzogen wird, ist auch die Demokratie sinnlos. Eine Demokratie, die sich darauf beschränkt, Rauchverbote in Gaststätten zu erlassen oder die Helmpflicht von Radfahrern zu diskutieren, also dem gegenseitigen Gängelungsverhalten der Bürger nachzugeben, aber die eine große Macht, die alle gängelt, nicht beherrschen kann, ist das Papier nicht wert, auf dem ihre Verfassung gedruckt wird.

Sehr schön gesagt Herr Jessen. Den ganzen Artikel findet man hier: Unterwegs zur Plutokratie

Die Plutokratie oder Plutarchie (griechisch πλουτοκρατία plutokratía ‚Reichtumsherrschaft‘, von πλουτος plútosReichtum‘ und κρατείν kratín ‚herrschen‘) ist eine Herrschaftsform, in der Herrschaft durch Vermögen legitimiert wird, also die Herrschaft des Geldes (auch „Geldadel“ genannt). Politische Rechte werden anhand des Vermögens vergeben (z. B. über das Zensuswahlrecht). (aus Wikipedia)

[Upd] Killerspiele – Wieso beide Seiten falsch liegen

Bei der bisherigen Diskussion zum Thema „Killerspiele“ (furchtbar, diese BILDphrasen zu dreschen) rennen beide Seite an den Realität vorbei. Einerseits die Gruppe der „Verbieter“ die all das was sie nicht kennen und nicht nach biederem Blümchensex aussieht sofort als gesellschaftliche Gefahr ächten wollen, andererseits die Gruppe der Gamer die eine Gefährdung schon prinzipiell ausschließen. Allerdings ist beides zu kurz gedacht.

Die Spiele die bisher gespielt wurden sind, meiner Meinung nach, absolut ungefährlich und der „Ausbildung von Killern“ wird dadurch nicht Vorschub geleistet*. Im Grunde genommen sind Sie auf dem emotionalen Niveau von Versteckspielen (Angstshooter wie Doom) oder Fanger (Counter Strike, Quake). Das „Abschießen“ im Spiel ist qualitativ durchweg vergleichbar mit dem „Abschlagen“ beim Fangen oder Versteckspiel (vor allem wenn man die deutschen Versionen von Shootern zum vergleich nimmt).

Jeder der bei diesen Spielen eine ernsthafte Gefährdung unterstellt macht sich selbst unglaubwürdig.

Aber eine andere Entwicklung in der Spieleindustrie sollte uns Angst machen. Der zunehmende Realitätsgrad der Darstellung ist solange unproblematisch, solange die realistische Darstellung sich allein auf die visuelle Komponente bezieht.

Allerdings arbeiten diverse Softwareschmieden daran, das Verhalten von Computergegnern dem echter Menschen anzupassen. Und zwar ist hier nicht die Spieltaktik gemeint, sondern die Reaktion auf Schmerz, Verwundung und die Angst um das eigene Leben.  Ein Beispiel (eine KI gesteuerte „Ragdoll“), welches zu Ende gedacht diese Richtung nimmt:

Diese Komponenten zielen auf ein Basisemotion des Menschen ab: Mitleid.

Wenn ein Spiel nur dadurch gewonnen werden kann, indem man sein eigenes Mitleid überwindet, dann stellt dies eine ernsthafte Bedrohung für die gesamte Gesellschaft dar. Dieses Training beschränkt sich dann nämlich nicht mehr auf das Reaktionsvermögen sondern zielt auf eine emotionale Konditionierung ab.

Darin sehe ich die größte Gefahr. Nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für unser Hobby >>Computer Spiele<<. Denn hier würde eine härtere Vorgehensweise gegen die Hersteller und Verbreiter solcher Spiele gesellschaftlich absolut (überlebens-)notwendig werden. Mit den üblichen Kolleteralschäden, die wir von unserer politischen Klasse mittlerweile ja gewohnt sind. Das kann keiner von uns ernsthaft wollen.

*) Keine Gefahr bezieht sich hier auf Personen, welche im realen Leben anerkannt sind und in gefestigten soziale Strukturen leben. Eine Person, welche im echten Leben auf keinerlei Unterstützung, Hilfe und Anerkennung stößt, wird den dadurch erzeugten Frust irgendwann wieder abgeben. Und zwar auf dem erstbesten Weg. Falls das Ausüben von Gewalt dann als Lösungsweg erscheint, ist der Weg zur Straftat – bis hin zum Amoklauf – möglich. Gewaltspiele machen keine Amokläufer, aber sie graben den Kanal durch den sich die angestaute Wut ihre Bahn brechen kann.

Anstatt Gewaltspiele zu verbieten, sollte man lieber die Ursache für die aufgestaute Wut beseitigen. Personen die ganztägig einem Mobbing und/oder einer Nicht-Beachtung unterliegen, muss geholfen werden. Bei Kindern sind hier vor allem die Personen gefragt, welche a)verantwortlich für die Kinder und b) in diesem Zeitraum bei den Kindern sind. Also Lehrer/Erzieher/Trainer und Eltern. Wenn diese Personen einem Aussenseiter keine Aufmerksamkeit zukommen lassen oder – schlimmer noch – diese selbst mobben, kann dies die oben genannten folgen haben. Leider wird dies weder in den heute üblichen Betreuungsstrukturen abgebildet, noch haben die Verantwortlichen wirklich verstanden, dass sie es sind, von denen es abhängt, ob ein Mensch zum Gewalttäter wird oder nicht. Dabei ist anzumerken, dass vor Allem in jungen Jahren bereits dafür Sorge getragen werden muss, dass ein Kind nicht in eine „Versagerschiene“ rutscht. Es sind zwar 16-26 Jährige welche die Taten verüben, aber die Geschichte reicht meist deutlich weiter zurück.

Was außer Frage steht: Wer Freunde im echten Leben hat, und dort Erfolge feiern kann, aus dem macht kein nochso realistisches Spiel (der heutigen Prägung) einen Gewalttäter. Und Counterstrike ganz bestimmt nicht!

Neoliberalismus, soz. Marktwirtschaft und was draus werden könnte

Vor einigen Tagen habe ich bei der Zeit einen Artikel über die Entstehung des Neoliberalismus gelesen. Meine Meinung zum Thema ist eher anti-neoliberal. Dies hat verschiedene Gründe, vor allem aber die, dass diese Idee den Begriff „Freiheit“ besetzt hält, obwohl ganz andere Freiheiten deutlich wichtiger sind (siehe Grundgesetz).

Der Grund weshalb ich hier zum Thema schreiben will ist, dass der Neoliberalismus den gewandelten Zeiten nicht mehr gerecht wird. Vor allem aber ist er kein staatliches Wirtschaftskonzept. Jedenfalls keines zum Vorteil eines Wirtschaftsraumes (also eines Staates) sondern immer nur zum Vorteil von Firmen. Und denen, das hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, sind Staaten erstmal grundlegend egal.

Der Neoliberalismus entstand in einer Zeit die sich von der heutigen kaum deutlicher unterscheiden könnte. Größter Unterschied: Es gab Arbeit für alle im Überfluss.

Wer nicht arbeitete, wollte entweder nicht (sehr unwahrscheinlich, da es kaum Absicherungen gab) oder konnte nicht. In diesem Umfeld und der Erfahrungen mit den Sozialgesetzen Bismarcks, entstand die soziale Marktwirtschaft, ein direktes Kind des Neoliberalismus, allerdings mit Modifikationen – heute würde man sagen „Neoliberalismus 2.0“.

Doch auch dieser Wirtschaftsform lag ein zentrales Thema zu Grunde: Arbeit.

Arbeit als Tätigkeit über die der Mensch sich definiert. Erfolg und Misserfolg ist zu aller erst gekoppelt an die Arbeit. Wohlstand und Bildung ergibt sich aus der Arbeit. Arbeit wurde das Ideal der Gesellschaft. Wer keine Arbeit hatte musste faul, krank oder völlig unfähig sein. Daraus bildete sich ein Stigma der Arbeitslosigkeit welches bis heute anhält.

Doch heute ist Arbeitslosigkeit nicht mehr nur Folge von Faulheit, Krankheit oder Unfähigkeit wie es gern neoliberale Vertreter unserer Zeit verlautbaren. Arbeitslosigkeit ist eine unverschuldete Folge mangelnder bezahlter Arbeit.

Die Crux liegt dabei im System: Die stetige Produktionssteigerung führt zwangsläufig zur Automatisierung der Produktion. Diese vernichtet Arbeitsplätze, denn was früher 20 Arbeiter schafften, schafft jetzt 1Maschine mit einem Arbeiter.

Ist das schlimm?

Jein! Nein, weil es immer das Ziel war niedere und stupide Arbeiten zu automatisieren. Die Erleichterung des Lebens, und hierzu zählt das Arbeitsleben, war seit je her Antrieb, Motivation und Ziel des Strebens.

Ja, es ist auch schlimm, denn das Ideal des arbeitenden Menschen wird zunehmend zur Außname.

Bisher war der Weg das Ziel. Um eine Erleichterung des Lebens zu erreichen musste gearbeitet werden. Doch nun ist das Leben (in den westlichen Gesellschaften) so leicht geworden, dass man sich fragen muss: „Was nun?“

Und hier kommt mein, zugegeben machinistisches, Gesellschaftsbild zum tragen:

Man nehme einmal an, der Staat sein eine gigantische Maschine. Ihr Ziel ist es Wohlstand zu produzieren.

In diesem Bild, sind die Produkte und Dienstleistungen der Wirtschaft, und alle Menschen und Maschinen die an der Herstellung dieser beteiligt sind, der Motor für die Maschine.

Der zweite Teil des maschinistischen Gesellschaftsbildes ist der Treibstoff. Das sind all jene, welche die Umwelt und Infrastruktur in Schuss halten und pflegen. Außerdem sorgen Sie dafür, dass der erste Teil der
Maschine arbeiten kann.

Der dritte Teil ist der Wartungstrupp und Werksschutz. Das sind all jene, welche das System nach außen und innen Schützen. Hierzu zählt Polizei, Verfassungsschutz und Verfassungsgericht (alles innen) sowie das Militär (außen). Die Wartung hat dabei nicht zum Ziel, dass sich „alle Rädchen drehen müssen“. Sie stellen nur sicher das keines blockiert wird und erneuern verschlissene Strukturen.

Wichtig dabei ist, und das ist meiner Meinung nach im gegenwärtigen System nicht implementiert, dass kein Teil besser oder schlechter ist als der Andere.

Im moment ist die gesammte gesellschaftliche Ausrichtung aber fokusiert auf den Motor, also die Wirtschaft. Genau da setzt auch der Neoliberalismus an, und folgerichtig vergisst er die letzten beiden Teile.

Eine Gesellschaft die auch in Zukunft funktionieren will, kann sich nicht allein auf den Motor konzentrieren. Die Arbeit wird mehr und mehr automatisiert. Immer weniger Menschen werden dort ihre Aufgabe finden. Sie werden in den zweiten Teil abwandern, ob sie wollen oder nicht. Dort findet man heute eine unzureichende Situation vor. Die Arbeit die dort geleistet wird, ist schlecht bezahlt (Forschung/Entwicklung, Pflege/Betreuung, Reinigung, Infrastruktur) oder gar nicht bezahlt (sog. ehrenamtliche Tätigkeit). Vor allem hier müssen Verbesserungen statt finden. Nicht nur in der Bezahlung, sondern auch im Ansehen. Jemand der z.B. ehrenamtlich Müll aus Wäldern sammelt, Vereinestätigkeiten nachgeht, Gründflächen pflegt usw. führt Werterhaltende Tätigkeiten durch und muss honoriert werden. Auch bei der Betreuung von Kindern und Alten können ehrenamtliche Helfer die fachlichen Pfleger unterstützen. Wer ehrenamtliche Tätigkeiten nachweisen kann erhält dann vom Staat eine Sonderzahlung, quasi als Anerkennung der Leistungen. Denn alles was der Maschine hilft Wohlstand zu produzieren, muss honoriert werden.

Dem System zu Grunde liegen muss außerdem eine Absicherung des Einzelnen, ohne Rücksicht auf die Rolle im System. Das heißt Grundsicherung im Bereich Wohnen, Verpflegung, Kleidung, Medizin, Information sowie ein Grundbetrag an Bargeld. Diese Grundsicherung wird an jeden geleistet. Dies muss nicht in Form von Geld geschehen, sondern kann z.B. bei der Wohnung auch dadurch geschehen, dass eine menschenwürdige Einzelunterbringung gesichert ist.

Ist dies gesichert, kann die Automatisierung der Wirtschaft ungehemmt fortgesetzt werden. Denn jeder der aus der Wirtschaft verdrängt wird, kann durch die Grundsicherung und ehrenamtliche Tätigkeiten in einem Gebiet, welches ihm liegt, seinen Unterhalt bestreiten.

Eine letzte und wichtige Forderung ist dabei aber zu beachten. All dies kann nur funktionieren, wenn die Werte, welche der Motor „Wirtschaft“ produziert, auch tatsächlich der Maschine „Staat“ zu Gute kommen. Das heißt insbesondere, dass Steuern bezahlt werden müssen.

Das Ölfeld „Tupi“ – oder wie man Klimaschützer zum weinen bringt

Seit gut zwei Jahren schien die Welt der Klimaschützer wohl geordnet. Auf der einen Seite die Wirtschaft mit ihren willigen (weil gut bezahlten) „Freunden“ wie z.B. George W. Bush, und auf der anderen Seite NGOs wie z.B. Green Peace. Auf der Seite der „Guten“ (der NGOs) standen bisher auch die Bevölkerung und damit, welch Überraschung, auch viele Politiker.

Im letzten Jahr hat sich dann auch einiges getan. Die Meinung der Bevölkerung das Klima und die Welt schützen zu müssen war und ist gefestigt. In Australien wechselte die Regierung mit der Folge, dass Australien das Kyoto-Protokoll unterschrieb. Die EU setzte sich sportliche Klimaschutzziele und die Bevölkerung in der EU befand es gut und richtig. Schließlich war man fast täglich Zeuge von Naturkatastrophen und Rekordpreisen beim Öl.

Was die Öl-Preise damit zu tun haben? Ganz einfach: Klimaschutz bedeutet für viele einfach „Verbrauch senken“. „Verbrauch senken“ bedeutet, bezogen aufs Auto, weniger Geld für Sprit bezahlen. Klimaschutz ist also „ne dolle Sache“ (wie unser Ex-Autokanzler sagen würde). Außerdem haben die hohen Öl-Preise den Menschen klar gemacht wie abhängig man doch vom Öl ist. Diese Erkenntnis ist aber nicht gaaaanz so neu. Schon bei den ersten Ölkriese 1973 und 1979/80 merkte man das deutlicher als man wollte.

Was waren die Folgen? In den darauf folgenden Jahren fing man an massive Öl-Reserven in Deutschland anzulegen um bei einer erneuten Ölkriese gegensteuern zu können. Auch fing man an alternative Energieträger zu erforschen. Und heute? Heute hat man den Klimaschutz und die Verbrauchsreduktion als Lösung angesetzt.

Und was ist jetzt mit dem Feld? „Tupi“ wird der Klimaschutzbewegung wie ein fetter Frosch im Hals stecken. Beginnt die Förderung in kurzer Zeit (bei den aktuellen Ölpreisen seeeehr verlockend) dann wird der Öl-Preis wohl sinken. Nicht auf angenehme Werte, aber um ca. 10-15% sollte möglich sein. Mit der Folge, dass der automobilisierte Mensch das mit dem Klimaschutz nicht mehr ganz so dringlich sieht. (Wir erinnern uns: Klimaschutz ist gut weil Klimaschutz = weniger Verbrauchen ist und weil weniger Verbrauchen = weniger Bezahlen ist.)

Ich vermute das „Tupi“ dem Klimaschutz gehörig Wind aus den Segeln nehmen wird. Sinkende Öl-Preise senken die relevanz des Themas beim autofahrendem Volk. Dadurch sinkt üblicherweise auch die Bereitschaft der „Volks-Politiker“ zu schmerzhaften Reformen. Sinkende Öl-Preise machen es Startups die alternative Treibstoffe entwickeln schwer kostendeckend zu arbeiten. Es sei erwähnt, dass bereits nach den ersten Öl-Kriesen die Forschung an alternativen Energieträgern begann. Aber sie verlor in gleichem Maße an Bedeutung wie die Ölpreise an Höhe.

Und die Lösung? Nun, was ich sage wird einigen (B/V)WLern wehtun: Gesetzliche Vorgaben sind der einzige Weg um Klimaschutz zu erreichen. Der Markt ist unfähig längerfristige Gewinne zu honorieren. Klimaschutz zahlt sich aber erst langfristig aus.

Ohne harte gesetzliche Vorgaben für die Industrie, werden sich die Klimaziele nicht erfüllen lassen. Leider gibt es eine sehr starke Gegenkraft zur Vernunft in der Politik: Lobbyismus. Inwieweit man dagegen angehen kann ist allein Abhängig von der Stimmung in der Bevölkerung. Wie es weiter geht? Keine Ahnung. Aber wir werden es erleben…

Unsterblichkeit

Mal ganz Allgemein

Wenn man das Leben mal ganz abstrakt betrachtet dann ist es – eine exotherme chemische Reaktion. Und wenn man einer solchen Reaktion fortwährend etwas umzusetzen gibt, wird sie auch unendlich fortlaufen.

Wir alle wissen aber, dass zumindest Lebewesen wie wir sie kennen und vor allem Menschen nicht unsterblich sind. An der zugrunde liegenden exothermen Reaktion liegt das schon mal nicht, sondern – und das weiß man spätestens wenn man älteren Personen bei Gespräch und Arbeit lauscht – an Verschleiß diverser Körperteile und Funktionen. Die Gelenke büßen an Beweglichkeit ein, die Nerven übertragen schlechter Impulse, Gefäße verkalken, Knochen werden porös und nicht zuletzt wird die DNA zunehmend beschädigt womit die Regeneration von Zellen abnimmt.

Prinzipiell ist das alles verständlich, teilweise ist es gut beobachtbar und verstanden. Was fehlt ist die Möglichkeit diese Prozesse zu stoppen. Daran wird gearbeitet, und da dieser Eintrag in der Kategorie „Fiction Discussed“ steht, nehmen wir einfach einmal an es gelänge eines Tages das Altern zustoppen. Welche Folgen hätte dies?

Die Folgen

Nun zu aller erst fällt einem die Überbevölkerung ein. Wenn die Alten nicht mehr sterben und Platz für die Jungen machen, wird es früher oder später eng auf unserer kleinen blauen Kugel. Die Ressourcen werden knapp und Konflikte wären vorprogrammiert. Um das zu umgehen nehmen wir einfach an es gäbe eine Regelung die Überbevölkerung vermeidet – wie auch immer das aussehen soll.

Das zweite Problem ist nicht wirklich ein Problem, sondern viel eher die Realität: Wer nicht altert hat keinen Anspruch auf Rente. Denn die sollte (so die ursprüngliche Intention) einem Menschen der körperlich nicht mehr in der Lage war sein Auskommen selbst zu erarbeiten, in die Lage versetzen seinen Lebensabend in Würde zu verbringen.

Das eigentliche Problem

Abseits dieser banalen monetären Probleme gibt es aber eins, welches man nicht auf den ersten Blick sieht:
Neurologen konnten nachweisen, dass junge und alte Menschen etwas grundsätzlich anders machen: Sie lernen verschieden.

Während die Hirne von Kinder und Jugendliche in der Gesamtheit undifferenziert ständig neue Verknüpfungen anlegen und zerstören läuft dieser Prozess bei erwachsenen viel zäher ab. Es benötigt viele Wiederholungen um neue Verbindungen zu etablieren und alte abzubauen. Man denkt sprichwörtlich „in alten Bahnen“.

Die Jugend ist hochgradig kreativ und vor allem im Kindesalter wuselig (junge Eltern können das bestätigen), haben aber auch eine Menge Flausen und Dummheiten im Kopf. Sie arbeiten unkonzentrierte, können dadurch aber auch schneller neue Dinge lernen.

Ganz gegenteilig verhält es sich mit alten Menschen. Diese lernen immer noch, aber anders als Kinder. Sie verfeinern ihre Fähigkeiten und gelangen vor allem in handwerklichen Tätigkeiten zu einer Meisterschaft die die Jugend nur bestaunen kann. Allerdings fällt das Lernen neuer Konzepte ihnen so schwer, dass nicht selten Resignation und Angst mit Veränderungen einhergeht. Altersstarrsinn ist nicht zwangsläufig Bosheit gegenüber anderen geschuldet, sondern ein altersbedingtes Problem. Diese Umstellung verhindern kann bisher keiner, denn sie ist eine natürliche Folge der Lernmechanik.

Wenn nun aber die Form des Lernens nicht revidiert werden kann, dann wird – in einer Gesellschaft der Unsterblichkeit – spätestens nach 100 Jahren der Anteil der kreativ, ja querdenkenden Menschen gegen Null gehen.

Der folgerichtige Schluss lautet: Unsterblichkeit wäre das Ende der Kultur!

Ermöglicht man aber die Form des Lernens zu ändern wird zweifellos das Pendel in die andere Richtung ausschlagen und ein Mangel an Spezialisten herrschen. Wobei hier die Natur rettend eingreifen könnte. Denn wenn die Lernmechanik selbst unverändert bleibt, könnte man wieder von neuem lernen bis zur Spezialisierung. (Nebenbei: Der „Jugendmodus“ würde im alten Gehirn auch zum Vergessen führen, oder „Erinnerungen“ d.h. Verbindungen erzeugen die gar nicht existierten. Ob es erstrebenswert ist, ein Gedächtnis voller Unsicherheiten zu besitzen ist zweifelhaft. Einzige Alternative wäre das Löschen des gesamten Gehirns – womit der Sinn der Unsterblichkeit ad Absurdum geführt währe, kommt dies doch einer Neugeburt sehr nahe.)

Die Situation heute

Schon heute entwickelt sich unsere Gesellschaft, in kleinen Schritten zwar, in Richtung der Unsterblichkeit. Die Gruppe der Alten wird immer größer. Faktisch werden die meisten Rentner – hart ausgedrückt – älter als gesellschaftlich nötig. Man mag es Ihnen gönnen, schließlich hoffen wir alle auf ein langes und gesundes Leben. Problematisch ist dabei, dass die Rente nicht mehr den viel zu kurzen Lebensabend würdevoll absichern soll, sondern dass sie der „Spasskultur im Lebensabend“ dient.

Die Lösung

Das wäre natürlich eine feine Sache, wenn ein dahergelaufener Student dieses Problem so nebenbei in seinem Blog löst. So leicht ist es aber nicht. Eine Lösung muss allgemeingültig sein, d.h. sie muss auf das gesamte Volk anwendbar sein – zumindest aber auf die überwiegende Mehrheit (>80%).
Keine Lösung ist das was unsere Regierung seit mehr als einem Jahrzehnt versucht: Die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Für einen Politiker, der den größten Teil seines (nicht immer stressfreien) Lebens im Sitzen verbracht hat (und von eben solchen Menschen umgeben ist), mag es nicht abwegig sein zu glauben man könnte auch noch mit 75 arbeiten. An einem Schreibtisch, bei einer gleich bleibenden Tätigkeit ist dies durchaus richtig. Einem körperlich arbeitenden Menschen kann man dies nicht zumuten. Die körperlich härtesten Arbeiter müssten der Gerechtigkeit halber bereits mit 55 in Rente geschickt werden. Aber auch die weniger schweren Arbeiten können für alte Mitarbeiter riesige Hürden bergen. Wie ich oben ausführlich geschrieben habe, können alte Menschen nur sehr schwer neue Konzepte lernen. Einem Mittfünfziger ein neues Arbeitsmodell beizubringen (z.B. Umstellung auf Computerisierte Arbeitsplätze) ist für diesen eine kaum zu stemmende Belastung. Diese Änderung hat nämlich ein hohes Stresspotential – der Alte muss nämlich zeigen, dass er mithalten kann, und fürchtet nicht zu unrecht sonst seinen Arbeitsplatz zu verlieren.

Nein, die Lösung muss anders aussehen. Sie könnte auf zwei Prinzipien basieren:

  1. Flexibles Rentenalter zwischen 55 und 70 Jahren, abhängig von der körperlich Belastung.
  2. Übernahme von, für die Gemeinschaft sinnvollen, Aufgaben durch Rentner.

Als die Rente nur noch die kurze Zeitspanne zwischen Arbeitsende und Lebensende abdecken musste, könnte man den Alten einen beliebig zwanglosen Lebensabend gönnen. Da die Rente aber heutzutage einen nicht unerheblichen Teil (in Zukunft ein Viertel) der durchschnittlich zu erwartenden Lebensspanne beträgt, muss auch in dieser Zeit etwas von diesen Menschen geleistet werden. Zu diesen Aufgaben könnte z.B. gehören:

  • Bereitstellung von Wissen als „Business Angel“
  • Betreuung von Kindern (als Unterstützung zur Betreuung in Kindergärten und Schulen)
  • Verschönerung und Pflege der Umgebung
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten z.B. in Vereinen
  • Ehrenamtliche Ausbilder in Betrieben (Ausbildung kostet vor allem Zeit. Wenn ehrenamtlich alte Mitarbeiter Basiswissen vermitteln kann dies gemildert werden.)

Schon heute gibt es nicht wenige die dieser Idee freiwillig nachkommen. Dies muss von staatlicher Seite unbedingt gefördert werden. In wieweit man eine solche Tätigkeit verpflichtend fordern sollte ist Aufgabe der Politik.