Kategorie: Medien

Re: Was ist denn so furchtbar daran?

Ich fühle mich genötigt eine Antwort auf diese Leser-EMail zu schreiben, die ich heute in der „Welt Kompakt“ gelesen habe.

Rüdiger Schulz, so heißt der Autor der Mail, begeht zwei Denkfehler. Bevor ich es euch erläutere kurz ein Gleichnis bei dem der Autor bestimmt auch anders reagieren würde. (@Ungeduldige: Der wichtigste Link ist ganz am Ende des Artikels)

Ihr braucht Ausweisfotos. Der Fotograf sagt: „Kein Problem. Zieh dich einfach komplett nackt aus und setz dich hin. Ausziehen ist wichtig, damit keine Teile des Gesichts verdeckt sind.“

Wer würde das machen? Jeder würde stutzig werden wieso ich mich ausziehen soll. Die Vorgeschobene Pseudoerklärung reicht ja wohl nicht aus. Ebenso sollte man bei der Vorratsdatenspeicherung zuerst das Gehirn einschalten.

Punk1: Es wird eine Gegenleistung für eine ziemlich haarsträubende Forderung in Aussicht gestellt, jedoch ohne zu erklären wieso die Forderung nötig ist und wie die Gegenleistung dadurch erbracht wird.
Wieso glaubt Herr Schulz, dass es sein Leben sicherer macht, wenn die Bewegungsdaten aller Bürger erfasst werden? Wieso wird sein Leben sicherer dadurch, dass Ermittler und Spione (sowas gibts auch in Deutschland. Wir haben 2 Geheimdienste falls das nicht bekannt ist) sowie jeder Datendieb weiß, wer in seinem (und meinem, und eurem) sozialen Netzwerk ist? Seit wann hat es einen Staat zu interessieren wo seine unbescholtenen Bürger sind? Nur um das klar zu machen: Weil man 10 schwarze Schafe jagt, überwacht man 83.999.990 unbescholtene Bürger? Wie war das nochmal mit der Angemessenheit?

Punkt2: Das eigentliche Ziel ist etwas ganz anderes, und nicht zwangsläufig der Schutz des Bürgers. Wohl eher der Schutz von „Interessensträgern“. Sind die Daten erst einmal gespeichert werden z.B. die Medienverwerter interessiert sein diese gegen private Nutzung von Medien einzusetzen um Leute zu verklagen und abzumahnen. Die Daten können auch verwendet werden um Demonstrationen wie z.B. in Heiligendamm zu unterbinden indem man zentrale Personen frühzeitig in Arrest setzt. Man kann nach Demos oder gar Revolutionen im Nachhinein unliebsame Personen und ihr gesamtes Netz ausfindig machen und entsorgen. Man kann bei irgendwelchen Pseudo-Staatsschutzermittlungen noch mehr Menschen verdächtigen (auch die nur zufällig in Kontakt kamen). Und man kann vielleicht auch Leute die schmutzige Wäsche von Politikern ans Tageslicht bringen (früher haben Journalisten sowas gemacht) leichter identifizieren und ausschalten (das nennt man dann wohl „Modell Russland“).

Daten zu sammeln kann jeder Depp. Daten auszuwerten und zu interpretieren, da tun sich selbst Experten schwer. Nicht das man es nicht machen kann, nein… es geht darum, dass die Ergebnisse einfach falsch sind. Ein Beispiel aus RAF Zeiten: Wenn sie in der Nähe der Terroristen gewohnt haben und im selben Supermarkt wie die einkaufen waren und mit jemanden Telefoniert haben der im selben Hochhaus wie ein Terrorist wohnt und sie zufällig mal am selben Bushäuschen standen, dann reicht das schon um sie „vorsorglich“ zu überwachen. Leute wurden für weniger überwacht – Leute die keine Staatsfeinde sind.

Anders sieht es aus mit den Auswerteprofis der Industrie. Die hätten sehr wohl Lust auf die Daten. Damit könnten sie euch noch besser abzocken. Die GEZ hat bestimmt auch Interesse an den Daten. Ist doch nur damit die Qualität der ÖR noch besser wird….

Und nicht zuletzt freuen sich die bösen Hacker. Die die damit Geld verdienen eure Daten von Vater Staat zu klauen und irgend welchen mafiösen Strukturen zu verscherbeln. Dann bekommt ihr irgendwann Post von eMail-Adressen mit bekannten Namen (die eurer Freunde) und wenn ihr die öffnet – schwupps – hat das nette russisch-chinesische-Hackernetz wieder einen Rechner mehr versklavt.

Es gibt nur einen Schutz: Daten nicht zu erheben die nicht gebraucht werden.

Wenn unsere Polizei nicht in der Lage ist Leute zu ermitteln die Sprengstoff kaufen/erzeugen oder horten und die uns böses tun, dann sind entweder die Polizisten unfähig und schlecht ausgebildet oder aber sie haben keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung (weil sie sonst auf Tipps hoffen können). Komischerweise hat man ja in letzter Zeit wieder Terroristen (oder die es mal werden wollen) gefasst. Ganz ohne VDS. Vielleicht sind unsere Polizisten dann doch nicht unfähig, sondern die VDS einfach überflüssig.

Ach, und bevor jemand damit kommt: Das das eine EU Forderung ist, ist kein Zufall. Wenn man in einem Land die eigene Politik nicht machen darf, dann beschließt man’s halt in der EU und tut so als könnte man ja jetzt nichts mehr machen. Wenn das „regieren“ ist, dann können wir auch paar Taschenspieler von der Straße in die Regierungsbank setzen.

Also Herr Schulz, lassen sie sich nicht kirre machen. Die VDS wird sie kein Stück sicherer machen, nur noch transparenter für den Staat. Wie das am Ende aussieht ist hier sehr schön dargestellt.

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Zum Tod Bin Ladens

Heute früh wachte ich auf und war wohl ebenso überrascht wie die restliche Welt von der Nachricht, dass Bin Laden getötet worden sein.

Was mir aber seltsam befremdlich vor kam waren Untertöne wie:

(Die Amerikaner) schwenken das Banner mit den „Stars and Stripes“, skandieren „USA, USA“ und singen die Nationalhymne. (Tagesspiegel)

„Es gibt keine größere Freude in meinem Leben als zu wissen, dass dieser Mann tot ist“ (Harry Gomez, Soldat der Nationalgarde der USA. Aus: vol.at)

Ich möchte meinen Standpunkt dazu so formulieren:
Ich finde es gut, dass Osama Bin Laden keine Terroranschläge mehr befördern, finanzieren, anstiften oder durchführen kann.
Ich finde es jedoch unwürdig für eine westliche Staat einzelne Menschen gezielt zu töten um Politik oder „Recht“ durchzusetzen. Recht wird durch Gerichte gesprochen. Was hier gemacht wurde, war Faustrecht par excellence. Faustrecht muss einem jeden zivilisierten Menschen an widern.
Ebenso unwürdig finde ich es, wenn Menschen auf die Straße rennen und für die gezielten Ermordung eines Menschen Beifall klatschen. Von den Medien die nichts besseres zu tun haben, als Blutverschmierte Laken vom Tatort in die Welt zu strahlen und ihre Skandälchen zu blöken ganz zu schweigen.

Es sind Momente wie diese wo das dünne Deckmäntelchen unserer Kultur weggezogen wird und das Menschenmaterial sichtbar wird was sich darunter versteckt.

Richtig wäre es gewesen den Verantwortlichen für den Terror gegen die USA (das stand ja lange fest, also gibt es bestimmt auch Beweise für eine direkte Schuld) in Gewahrsam zu nehmen und in New York vor Gericht zu stellen. In einem Land wo die Todesstrafe zum guten Ton gehört, wäre Bin Laden dort auch mit rechtsstaatlichen Mitteln bei gekommen worden. Soweit dies bisher berichtet wird, war dies aber gar nicht das Ziel, sondern es ging allein um einen „Kill-Job“.

Was jetzt in den USA und den Westlichen Medien geschieht ist die quasi Entsprechung einer primitiven Meute die Leichen durch die Gassen schleift. Da reagiert die USA ja normalerweise auch empört.

SPIEGEL: Wissenschaft vs Interesse?

Ich lese hin und wieder Online-Nachrichten. Meine Quellen sind neben special interest Seiten der SPIEGEL und die Zeit.

Als ich heute die Startseite des Spiegels gesehen habe schrie mich ein Artikel zur Windenergie an und sagte, dass das nichts werden wird. Deutschland will Öko ist aber nicht bereit „den Preis einer verschandelten Landschaft“ zu zahlen.  „Deutschland droht ein neuer Großkonflikt“ – auch das noch.

Der Artikel fast am Ende zusammen was man in der Energiepolitik immer wieder sieht. Jeder will gern Ökostrom – aber der soll aus der Steckdose kommen. Kraftwerke und Leitungen sollen bitte anderswo gebaut werden. Das nennt man im englischen „NIMBY“ (Not in my back yard – nicht in meinem Hinterhof!).

Aber die alarmistische Aufmachung des Artikels machte mich nachdenklich. Ein Freund erzählte mir vor kurzem auch einmal, dass der SPIEGEL einst eine Anti-Windkraft Kampagne gestartet hatte in deren Zuge 2 Redakteure den SPIEGEL verließen – man munkelte, der Chefredakteur hätte persönliche Gründe gegen Windkraft und wollte die Artikel so haben.

Ich machte mich also mal auf die Suche und fand diese Auswertung der Berichterstattung von SPIEGEL und Zeit bezüglich des Themas „Klimawandel“. Es ist doch recht verwunderlich, wie eine Zeitschrift, deren Namen man (wohl aus historischen Gründen) mit Qualitätsjournalismus verknüpft, derartig arbeiten kann.

Für mich bedeutet dies einmal mehr: Kopf einschalten beim Medienkonsum. Nicht alles was von klassischen Medien geliefert wird, ist auch Qualitativ hochwertig.

(Das klärt auch die Frage wieso niemand mehr dafür bezahlen will…)

Internetzensur vorerst abgewehrt – Zugangserschwerungsgesetz gekippt

Wie ich gerade aus dem Spiegel erfahren habe, wurde „Zensursulas“ Internetsperrengesetz (das Zugangserschwerungsgesetz) nun gekippt.

Die Union hat nun wohl endlich auch begriffen, dass das Gesetz untauglich war und ist. Wie der Spiegel noch einmal schön zusammenfasst ist das Gesetz untauglich weil

  1. die Sperren leicht umgangen werden können
  2. es die Täter warnt und diese so zu mehr Vorsicht drängt
  3. eine technische Infrastruktur erst dafür geschaffen werden muss

„Löschen statt Sperren“ funktioniert ohnehin besser: „Nach aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes sind nach zwei Wochen 93 Prozent der kinderpornografischen Inhalte gelöscht, nach vier Wochen sind es sogar 99 Prozent“ (Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger)

Nicht zuletzt ist das Gesetz eine Gefahr für die Informationsfreiheit im Netz gewesen. Denn eine Zensurinfrastruktur (nichts anderes war geplant) wird früher oder später auch auf andere Themen ausgeweitet.

Für Vertreter der Unterhaltungsindustrie etwa bedeutet sie das vorläufige Ende eines langgehegten Traums: Sie hatten gehofft, dass eine einmal errichtete Sperr-Infrastruktur eines Tages auch auf Seiten angewendet werden könnte, die Zugang zu illegalen Musik- oder Filmdownloads bieten. (Der SPIEGEL)

Frische Musik für deine Ohren

Ich nutze seit einiger Zeit Linux als Betriebssystem. Und da ich die KDE Oberfläche benutze ist auch Amarok dort installiert. Wer das nicht kennt: Amarok ist ein Multimediasystem. Neben dem altbekannten abspielen von lokalen Musikdateien bietet Amarok auch die Möglichkeit von diversen Onlinequellen Musik abzuspielen. So kam ich auf Jamendo.com.

Jamendo.com ist eine Website die zeigt wie überflüssig „Plattenfirmen“ für Nachwuchskünstler sind. Denn dort können die Bands ihre Musik nicht nur hochladen sondern die Seite hilft auch beim verkauf der selbigen an kommerzielle Nutzer. „Platten“ müssen eh keine gepresst werden, also gibts für „Plattenfirmen“ auch keinen Bedarf. Auf Jamendo.com können private Hörer die Musik frei anhören und auch runter laden, wer die Musik aber z.B. bei einer Feier abspielen will oder gar ins Radio oder Fernsehen bringen will, der muss sich natürlich eine Lizenz kaufen. (Soweit ich dies angetestet habe, wird nach Verwendung unterschieden.) Vor Allem also für private Musikliebhaber eine tolle Quelle für neue Musik die nicht schon 100 fach durch die Mainstreamradios runtergenudelt wurden.

Hier einige Alben die ich einfach mal empfehlen kann:

3DKino: Avatar – Aufbruch nach Pandorra

Ich bin gestern, angetrieben von vielen begeisterten Kommentaren von Freunden und Bekannten, zu „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ ins Kino gegangen. Allerdings sollte es 3D sein.

Meine Eindrücke zerteile ich einmal in 2 Teile: Zuerst meine Gedanken zum Thema 3D Kino und dann noch meine Eindrücke vom Film „Avatar“.

3D Filme und das Kino

Das erste Mal, seit langer Zeit, konnte ein Kinobesuch länger begeistern, als bis zur heimischen Haustür. Das lag ganz entscheident am wirklich zuverlässigen 3D Eindruck, der durch die eingesetzte Polarisations-Technologie erzeugt wird. Wer nicht weiß wie es funktioniert:

Polarisiertes Licht sind Lichtwellen, die in eine bestimmte Richtung im Raum schwingen. Die Brillengläser der 3D Brille filtern diese Lichtwellen zuverlässig aus. Damit kann der Kinoprojektor gleichzeitig 2 verschiedene Bilder an die Leinwand werfen, dank den Filtern an der Brille, sieht jedes Auge aber nur das vorgesehene Bild.

Filme wie Avatar werden dafür sorgen, dass die Zusatzkosten für 3D weiter fallen. z.B. verbreiten sich die Polarisationsbrillen in der Bevölkerung, da man die Brillen nicht abgeben muss, sondern behalten darf. Dies eröffnet auch andere Möglichkeiten mit 3D zu experimentieren – wenn man es schafft polarisiertes Licht zu erzeugen. Außerdem haben die Kinos nun die Projektoren und diese müssen sich rechnen.

Nach meiner Erfahrung mit Avatar behaupte ich, dass das Kino nur dank 3D Filmen die nächsten 10Jahre überleben können wird. Solange 3D nicht in den heimischen 4 Wänden, großformatig (>> 30“) angesehen werden kann, ist 3D ein Alleinstellungsmerkmal der Kinos und bietet ihnen wieder den Vorsprung, der ihnen mit dem Aufkommen von großformatigen Displays/Beamern und Dolbi-Soround-Anlagen im Heimformat verloren ging.

Filme in echtem 3D herzustellen verursacht kaum mehr Produktionskosten. Man benötigt eine zweite identische Kamera, welche fest auf einem Stativ neben der ersten Kamera angebracht wird und identisch geschwenkt und gezommt wird.
Man muss dann natürlich die doppelte Datenmenge verarbeiten, aber dies ist eher eine Datenlogistische Frage.
Auch gerenderte 3D-Szenen sind nicht wesentlich teurer. Das Erstellen der Szene muss nur einmal gemacht werden, man rendert das Ergebnis nur am Ende zweimal aus unterscheidlichen Blickwinkeln. Die einzigen echten Mehrkosten, treten bei der Fertigstellung/Endproduktion auf, wenn die Filme für die Projektoren vorbereitet/überspielt werden und an die Kinos versandt werden.
Ich schätze, dass die Mehrkosten für Filmproduktionen bei 5% der Gesamtkosten liegt.
Man kann also nur hoffen, dass auch kleine/unabhängige Produktionen auf die 3D Technik zurück greifen. Ich freue mich vor Allem auf Dokumentationen – Avatar hat sehr schön gezeigt was ein Regenwald an spektakulären Einblicken bietet.

Avatar – Aufbruch nach Pandora

Nun noch ein paar Worte zum Film von James Cameron.
Avatar ist gut gelungen. Er bietet große Emotionen, verzichtet dabei aber weitestgehend auf Süßholzraspelei und beschränkt sich auf die Erzählung einer guten Geschichte in einer faszinierenden Welt.
Man sieht Avatar an, dass er für das 3D Kino gemacht wurde. Die Kamerafahrten bieten der 3D Technik alles was sie brauch um zu glänzen ohne zu plakativ zu werden. Wer diesen Film in 2D sieht, hat 30% nicht gesehen…
Zum Ende hin wird, der Film etwas vorhersehbar und man hat das Gefühl als gingem entweder dem Drehbuchschreiber die Ideen, oder der Produktionsfirma das Geld aus.

Avatar ist in jedem Fall sehenswert. Er bietet typischen Hollywood-Kino in einer neuen Dimension.
Wie cool wäre Herr der Ringe gewesen, wenn er in 3D gedreht worden wäre.

Da die Geschichte von Avatar auf der Gier der Menschen nach einem Rohstoff, der scheinbar nur auf Pandora vorkommt, beruht, kann man davon ausgehen, dass es einen zweiten Teil geben wird. Vermutlich heißt der dann „Avatar 2 – Rückkehr nach Pandorra“.