Autor: kevinfleischer

Was die Zukunft bringt

Effizienz und Produktivität ist für die Roboter. (Kevin Kelly)

Ich kenne Kevin Kelly von Tim Ferriss‘ Podcast. Er beschäftigt sich mit Trends und Technologien und ist als Mitgründer von „Wired Magazin“ hierfür kein schlechter Ansprechpartner. In seinem 1994 erschienenen Buch hat er sich bereits mit Dezentralisierung und Selbstorganisation (Schwarmintelligenz) beschäftigt. Dieser TED Talk ist sehr zu empfehlen:

Tip für den Gebrauchtwagenkauf

Ich war gestern in der Werkstatt und habe einige Verschleißteile reparieren lassen. Eine „Lesson Learned“ für den nächsten Gebrauchtwagenkauf:

Wenn der Wagen >100.000km runter hat, dann checken

  • ob die Bremsen erneuert wurden. Und wenn ja, was gemacht wurde. Nur Vorn, V+H, Nur Scheiben oder Scheiben und Klötze? Ein Kompletter Bremssatz kostet je nach Fahrzeug 1000EUR +- 300EUR
  • ob die Querlenker erneuert wurden. Und wenn ja, ob nur oben/unten oder beide. Die Dinger kosten komplett auch leicht 1000EUR.

Das sind Verschleißteile die nach 100.000 – 150.000km fällig werden.

Außerdem immer Fragen

  • Wurde im Wagen geraucht?
  • Sind Winterräder dazu?
  • Wann wurden die Reifen zuletzt erneuert?

Politische Führung mit Boots On The Ground

Ich habe gerade dieses Video mit Bezug auf den BREXIT gesehen:

Eine sehr interessante Aussage war, dass der Redner, der sich als weltoffen und inklusiv versteht, in den Gegenden die für den Austritt waren, gerade mal 4 Tage seines Lebens verbracht hat.

Ich glaube, dass dies nicht nur auf ihn zutrifft sondern womöglich auf den Großteil der Meinungsführer in der Bundespolitik und den überregionalen Medien.

Der Mangel an Präsenz in und damit auch Verständnis für die Bedürfnisse der nicht ganz so attraktiven Gegenden lässt Raum für die Gruppen welche einfache Lösungen versprechen um persönlichen Einfluss zu erlangen. Diesen Gruppen ist es egal ob die vorgeschlagenen Lösungen überhaupt funktionieren können oder die Situation der Regionen sogar verschlechtern würden.

Interessanterweise ist dies womöglich sogar den Wählern egal, denn was sie eigentlich nur wollen ist „den da Oben einen Denkzettel verpassen“. Wenn Bürger in solchen vergessenen Regionen sich nicht vertreten und verstanden fühlen und deshalb solche Denkzettel wie den BREXIT verteilen, dann sollte die Politik darüber nachdenken neue Wege zu gehen.

Hier ein radikaler Vorschlag: Das Bundeskabinett trifft sich jeden Monat einmal außerhalb Berlins in den Räumen eines Kreistags und verbringt 3-5 Tage in dieser Gegend. Z.B. einen Monat in Schwerin, dann in Bad Kreuznach, Pirna, Mettmann usw.

Das ganze könnte dann jeder Minister in dieser Zeit verbinden mit einer offenen Fragestunde/Podiumsdiskussion zu einem aktuellen Thema oder der ein oder andere Minister könnte eine Kreistags bzw. Stadtratssitzung besuchen.

Klar ist, dass dies alles primär symbolischen Character hat. Jedoch sollte dadurch ein disconnect der Politik von der Stimmung an der Basis zumindest etwas unwahrscheinlicher werden.

Ganz nebenbei entspricht das auch einem Prinzip aus Machiavellis „Der Fürst“: Wenn du eine aufständige Provinz befrieden willst, verlege deine Hauptstadt dort hin.

Agiles Schätzen mit Storypoints – Agile Estimating with Story Points

English Version below

Agiles Schätzen mit Storypoints

Komplexität, Aufwand, Zeit – was soll mit den Storypoints eigentlich geschätzt werden?

Wenn alle Userstories von ein und derselben Person bearbeitet werden würden, dann sollte am Ende gelten: Je größer die geschätzten Storypoints, desto länger hat es gedauert (Investierte Arbeitszeit = Aufwand).

Nun arbeiten wir aber im Team und wir alle wissen, dass es unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten gibt. Deshalb schätzen wir ja nicht in Zeit sondern Storypoints. Und Storypoints funktionieren immer im Vergleich mit anderen Aufgaben (relatives Schätzen), also „größer, kleiner, gleich“. Deshalb stellt euch folgende Frage beim Schätzen:

„Wenn ich die Story allein lösen müsste und ich alle Tools benutzen dürfte die im Team zur Verfügung stehen, würde ich dann länger, kürzer oder gleichlang für diese Story brauchen als für die andere Story?“

Jetzt kommt sofort der Einwand „Aber ich kann ja gar nicht alle Tools bedienen, bzw. mir fehlt Vorgehens-/Fachwissen etc.“ Das stimmt. Aber das fehlt euch bei allen Stories gleichermaßen und kürzt sich weg. Um „größer, kleiner, gleich“ abschätzen zu können reicht es also die Teammitglieder zu befragen, welche tatsächlich Ahnung von den anderen Aufgaben haben. Wenn die sagen „weniger als bei der anderen Story“, dann gilt das für euch bezüglich dieses Aufgabenteils wahrscheinlich auch.

Abschließend noch ein Wort zu Unwägbarkeiten und Risiko. Schneller darf die Bearbeitung immer gehen. Probleme gibt es eher dann, wenn wir Risiken unterschätzen. Deshalb überlegt euch, wie der realistische Worst-Case aussehen könnte und wie aufwändig dieser im Vergleich zur Vergleichsstory ausfällt.

Agile Estimating with Story Points

Complexity, effort, time – what do we estimate when we use story points?

If all user stories are estimated and implemented by the very same person, than the rule should apply: The higher the story points, the more time had been invested (effort).

But we work in teams and as we know, we all have different working speeds. This is the reason why we use story points instead of time estimates. And story points work always in relation to other stories (relative estimation), means „smaller, same or bigger as the other story“. Thus, next time when you estimate ask yourself this question:

„If I had to implement this story all by myself, but I could use all the tools that are available to my team, would it take longer, shorter or as long as the reference story?“

But immediately you will say „But I can not use those tools“ or „I lack the process/domain knowledge etc.“. True – BUT this is true for all stories and therefore (because we estimate by comparing stories) cancels out of the estimation. To estimate „smaller, same or bigger“ you only need to ask those team members who know how to use the tools or have the knowledge. If they say „its less than the other story“ than this holds true if you would do the job.

One final word regarding risk or beeing unsure. It is always good to finish stuff faster. Problems arise (for the PO) if we under estimate tasks. Thus if you feel unsure, it is a good idea to think about the realistic worst case scenario and compare that with the reference story.

 

Vortrag zu Responsive Design by Kent Beck

Ich schaue gerade Kent Becks Vortrag zu Responsive Design an und versuche hier mal meine Gedanken zu den Thema nieder zu schreiben. Hier der Link:

http://www.infoq.com/presentations/responsive-design

Die Seite sieht etwas unübersichtlich aus. Nicht sofort zu erkennen war, dass das Video links nicht alles ist, sondern rechts daneben die Vortragsfolien parallel zum Video umschalten. Also nicht einfach (wie gewohnt) das Video in den Vollbildmodus schalten.

Retrospektive mit Karteikarten

Das sollte man auf Arbeit mal unseren Vordenkern vorschlagen. Hier wendete Kent das „Continuos Improvement“ Pattern auf sich selbst an. Wer macht das eigentlich sonst noch. Häufig wird herzlich gestritten, eine Lösung gefunden und schnell wieder an die Arbeit gegangen. Aber zu dokumentieren warum gestritten/um eine Lösung gerungen wurde und wie und warum das Ergebnis ist wie es ist, das passiert sehr selten. Wahrscheinlich einer der Gründe wieso Kent Beck ein so gefragter Entwickler ist. Er macht nicht nur, sondern er denkt auch darüber nach wieso er es so macht.

Designprinzipien

Kent erwähnt Designprinzipien als Leitfaden für die Entwicklung eines Softwaresystems. Ich kann das nur bestätigen und merke leider immer wieder, dass genau diese bei der Arbeit zwar allen bekannt sind, jedoch häufig nicht dokumentiert werden. Wenn dann Jahre später die ursprünglichen Programmierer weg sind und andere an dem System arbeiten (und andere Prinzipien anwenden) entsteht schnell schlecht wartbarer Code, da Entscheidungen nicht konsistent weiter geführt werden.

Problemlösungs- / Refactoringstrategien

Leap – Sprung

So wie ich Kent verstehe ist der Leap der gefährlichste, jedoch auch schnellste Weg eine Änderung zu erreichen. Solange ich glaube(!) es schaffen zu können sollte ich den Leap versuchen. Sobald ich aber (unterwegs) unsicher werde und das System nicht mehr läuft, gehe ich zurück zum Startpunkt und versuche eine alternative Methode. Kent bringt als Beispiel eine Anwendung wo er sein Designprinzip „Streams statt Filenames“ verletzt hatte. Er wollte nun die Filenames durch Streams ersetzen. Da er 4-5 Klassen anpassen musste ging er davon aus, dass er das so hinbekommt, und wagte den Sprung (Leap). Als er merkte, dass es zu undurchsichtig wurde, änderte er alles wieder zurück und versuchte einen anderen Ansatz.
Interessant war, dass Kent Beck, Author von JUnit, hier zugegeben hat, dass auch bei ihm hin und wieder keine gute Testabdeckung vorkommt. Um überhaupt zu wissen, ob ein Leap erfolgreich war, braucht man Testabdeckung. „Refactoring nur unter Testcoverage“ sollte jedem als Prinzip bekannt sein.

Parallel – Redundanz

Bei Parallel wird ein „zweiter Weg“ ein Problem zu lösen neben den aktuellen (nicht mehr gewollten) gestellt.
Kent bringt wieder das Beispiel „Ersetzen von Filenames durch Streams“. Hier kann man sich vorstellen, dass solch eine Änderung an diversen Stellen in einem SW System schnell unübersichtlich wird.
Kent sagt nun, dass die Parallel-Entwicklung ein sichererer Weg ist. Das kann man so hinnehmen, ich frage mich aber „An welchem Ende des Systems sollte man mit der Umstellung auf Streams beginnen“?

Ich glaube das man vom Ende her beginnen sollte. Also dort wo aktuell die Filenames aufgelöst und die Inhalte gelesen werden, schreibt man eine zweite Methode, welche einen Stream benutzt und zieht die Business-Logik dahin um. Man weiß, dass die Logik funktioniert. Einzig neuer Punkt ist nun, dass Streams statt File-Operationen genutzt werden. Tritt ein Fehler auf weiß man genau, wo man suchen muss. Alle anderen Klassen arbeiten weiter mit Filenames und rufen auch an meiner Klasse die alte Methode mit Filename auf. Die Alte Methode ist aktuell quasi leer. Statt dessen schreibe ich nun dort den Code zum umwandeln eines Filenames in einen Stream hinein und rufe meine neue Methode. Nachdem das alles funktioniert gehe ich zur der Klasse welche meine alte Methode aufruft und schreibe dort eine alternative Methode mit Streams. Diese kann jedoch sofort die neue Methode nutzen. Damit ist die alte Methode an der ersten Klasse nun nutzlos geworden und kann entfernt werden. So gehe ich schritt für Schritt voran und stelle den Code um.

Stepping Stones – Zwischenschritte

Wirklich klar wird das Prinzip durch die Phrase „Wenn ich XYZ hätte, wäre das nicht so schwer“. In so einem Fall baut man sich ein XYZ und macht dann weiter. Notfalls stellt man das XYZ erstmal neben (Parallel) den restlichen Code.
Stepping Stones können leicht overdesigned werden. Also KISS anwenden.

Simplification

Kernidee hier ist: Auf welche primitive Form kann ich das Problem eindampfen? Wenn ich z.B. die Aufgabe habe einen Differentialgleichungs-Löser zu schreiben, der mit bis zu 20 unbekannten arbeiten kann, dann wäre es eine gute Idee mit einem zu beginnen wo keine unbekannte enthalten ist. Und dann einen mit einer Unbekannten. Und dann einen mit zwei. Und dann fällt dabei fast schon von alleine der mit n Unbekannten hinten ab.

Successions – Abfolgen

Die restlichen Folien werden sehr schnell abgehandelt. Von Interesse fand ich die Idee der Successions. Kent vermutet, dass es bei der Arbeit immer wieder Schritte gibt die man nach und nach durchführt um erfolgreich zu sein. Eine dieser Abfolgen ist das bei Simplification erwähnte Prinzip erst „Eine Lösung für 1 Element herzustellen und dieses dann auf mehrere Elemente zu erweitern“ (First One – Than Many). Kent vermutet, dass es noch weitere solcher allgemeinen Abfolgen gibt.

Schlussfolgerung

Ein Vortrag den man sich durchaus mal anschauen sollte.