Re: Was ist denn so furchtbar daran?

3. Mai 2011

Ich fühle mich genötigt eine Antwort auf diese Leser-EMail zu schreiben, die ich heute in der “Welt Kompakt” gelesen habe.

Rüdiger Schulz, so heißt der Autor der Mail, begeht zwei Denkfehler. Bevor ich es euch erläutere kurz ein Gleichnis bei dem der Autor bestimmt auch anders reagieren würde. (@Ungeduldige: Der wichtigste Link ist ganz am Ende des Artikels)

Ihr braucht Ausweisfotos. Der Fotograf sagt: “Kein Problem. Zieh dich einfach komplett nackt aus und setz dich hin. Ausziehen ist wichtig, damit keine Teile des Gesichts verdeckt sind.”

Wer würde das machen? Jeder würde stutzig werden wieso ich mich ausziehen soll. Die Vorgeschobene Pseudoerklärung reicht ja wohl nicht aus. Ebenso sollte man bei der Vorratsdatenspeicherung zuerst das Gehirn einschalten.

Punk1: Es wird eine Gegenleistung für eine ziemlich haarsträubende Forderung in Aussicht gestellt, jedoch ohne zu erklären wieso die Forderung nötig ist und wie die Gegenleistung dadurch erbracht wird.
Wieso glaubt Herr Schulz, dass es sein Leben sicherer macht, wenn die Bewegungsdaten aller Bürger erfasst werden? Wieso wird sein Leben sicherer dadurch, dass Ermittler und Spione (sowas gibts auch in Deutschland. Wir haben 2 Geheimdienste falls das nicht bekannt ist) sowie jeder Datendieb weiß, wer in seinem (und meinem, und eurem) sozialen Netzwerk ist? Seit wann hat es einen Staat zu interessieren wo seine unbescholtenen Bürger sind? Nur um das klar zu machen: Weil man 10 schwarze Schafe jagt, überwacht man 83.999.990 unbescholtene Bürger? Wie war das nochmal mit der Angemessenheit?

Punkt2: Das eigentliche Ziel ist etwas ganz anderes, und nicht zwangsläufig der Schutz des Bürgers. Wohl eher der Schutz von “Interessensträgern”. Sind die Daten erst einmal gespeichert werden z.B. die Medienverwerter interessiert sein diese gegen private Nutzung von Medien einzusetzen um Leute zu verklagen und abzumahnen. Die Daten können auch verwendet werden um Demonstrationen wie z.B. in Heiligendamm zu unterbinden indem man zentrale Personen frühzeitig in Arrest setzt. Man kann nach Demos oder gar Revolutionen im Nachhinein unliebsame Personen und ihr gesamtes Netz ausfindig machen und entsorgen. Man kann bei irgendwelchen Pseudo-Staatsschutzermittlungen noch mehr Menschen verdächtigen (auch die nur zufällig in Kontakt kamen). Und man kann vielleicht auch Leute die schmutzige Wäsche von Politikern ans Tageslicht bringen (früher haben Journalisten sowas gemacht) leichter identifizieren und ausschalten (das nennt man dann wohl “Modell Russland”).

Daten zu sammeln kann jeder Depp. Daten auszuwerten und zu interpretieren, da tun sich selbst Experten schwer. Nicht das man es nicht machen kann, nein… es geht darum, dass die Ergebnisse einfach falsch sind. Ein Beispiel aus RAF Zeiten: Wenn sie in der Nähe der Terroristen gewohnt haben und im selben Supermarkt wie die einkaufen waren und mit jemanden Telefoniert haben der im selben Hochhaus wie ein Terrorist wohnt und sie zufällig mal am selben Bushäuschen standen, dann reicht das schon um sie “vorsorglich” zu überwachen. Leute wurden für weniger überwacht – Leute die keine Staatsfeinde sind.

Anders sieht es aus mit den Auswerteprofis der Industrie. Die hätten sehr wohl Lust auf die Daten. Damit könnten sie euch noch besser abzocken. Die GEZ hat bestimmt auch Interesse an den Daten. Ist doch nur damit die Qualität der ÖR noch besser wird….

Und nicht zuletzt freuen sich die bösen Hacker. Die die damit Geld verdienen eure Daten von Vater Staat zu klauen und irgend welchen mafiösen Strukturen zu verscherbeln. Dann bekommt ihr irgendwann Post von eMail-Adressen mit bekannten Namen (die eurer Freunde) und wenn ihr die öffnet – schwupps – hat das nette russisch-chinesische-Hackernetz wieder einen Rechner mehr versklavt.

Es gibt nur einen Schutz: Daten nicht zu erheben die nicht gebraucht werden.

Wenn unsere Polizei nicht in der Lage ist Leute zu ermitteln die Sprengstoff kaufen/erzeugen oder horten und die uns böses tun, dann sind entweder die Polizisten unfähig und schlecht ausgebildet oder aber sie haben keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung (weil sie sonst auf Tipps hoffen können). Komischerweise hat man ja in letzter Zeit wieder Terroristen (oder die es mal werden wollen) gefasst. Ganz ohne VDS. Vielleicht sind unsere Polizisten dann doch nicht unfähig, sondern die VDS einfach überflüssig.

Ach, und bevor jemand damit kommt: Das das eine EU Forderung ist, ist kein Zufall. Wenn man in einem Land die eigene Politik nicht machen darf, dann beschließt man’s halt in der EU und tut so als könnte man ja jetzt nichts mehr machen. Wenn das “regieren” ist, dann können wir auch paar Taschenspieler von der Straße in die Regierungsbank setzen.

Also Herr Schulz, lassen sie sich nicht kirre machen. Die VDS wird sie kein Stück sicherer machen, nur noch transparenter für den Staat. Wie das am Ende aussieht ist hier sehr schön dargestellt.


Behörden stellen eure Meldedaten für alle frei ins Netz!

18. Februar 2011

Ein Kollege zeigte mir gerade das aktuelle c’t Editorial. Dort steht ungeheuerliches:

Das Frühstück am Sonnabend versüßte mir eine öffentliche Bekanntmachung in der Lokalpostille. Es ging ums Widerspruchsrecht nach dem Niedersächsischen Meldegesetz. Davon mache ich seit jeher Gebrauch und kann es nur jedem empfehlen, der Schutz vor Kirchen, Gebühreneinzugszentralen und Werbemafia sucht. Das Amt darf die Meldedaten dann nur noch in Ausnahmefällen herausgeben.

Der Vertreter des Bürgermeisters ließ schreiben: “Einwohner/innen, die bereits in den Vorjahren eine derartige Erklärung abgegeben haben, brauchen diese nur schriftlich an das Bürgerbüro zu richten, wenn sie zusätzlich dem automatischen Abruf über das Internet wiedersprechen wollen. Ansonsten braucht keine neue Erklärung abgegeben werden.

Hervorhebung von mir

Um das mal kurz und knapp zu formulieren: Während Politiker darüber schimpfen wie Facebook persönliche Daten veröffentlicht, veröffentlichen die Meldebhörden einfach die Daten aller(!) Personen online, auch wenn sie der Veröffentlichung bereits wiedersprochen haben, denn eine Onlineveröffentlichung gabs ja damals noch nicht – deshalb wollen da bestimmt alle mitmachen!

Logisch! Und wenn jemand sagt: “ich will nicht erschossen werden” dann meint er damit, dass er erwürgt werden will. Auch klar….

Spinnen die!!!?

Was bedeudet das?

Firmen, Institute und wer immer will, kann beim kommunalen Kernmelderegister (kostenpflichtig) Daten abrufen. Einziger Schutz der Bürger ist die Selbstverpflichtung der Abrufer, mit den Daten nichts böses/illegales zu machen. So nach dem Motto: “Ich gebe ihnen mein Ehrenwort – Ich wiederhole – Mein Ehrenwort “

Ja ne is klar….

Was kann man dagegen machen?

Dazu ein Verweis auf die Seite der Rechtsanwaltskanzlei Drach&Drach Dort gibt es auch ein Formular um bei der Behörde zu wieder sprechen.

Es ist erschreckend das sowas gemacht wird. Aber wir hätten das alle ja längst wissen müssen. Schließlich wurde es ja im sächsischen Amtsblatt Nr. 43/2007 vom 25. Oktober 2007 auf Seite 30 bekannt gemacht.

Wieso ich das nur übersehen habe…


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